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DIE SCHÖNE IST EIN BIEST

Modernes Naked-Bike-Motorrad in dunkler Bordeaux- und Schwarztönung auf einer sonnigen Waldstrasse, fotografiert aus tiefer Perspektive mit Fokus auf Front, Reifen und sportliches Design.
Understatement wohnt anderswo. (Bild: Matthias Göbel)

Die XDiavel von Ducati mit V4-Motor ist eine Klasse für sich.

Okay. Ich stehe vor diesem Ding und denke: Das ist kein Motorrad, das ist eine Ansage. Ein Druck auf den Starterknopf, und die XDiavel V4 bollert los. Vierzylinder. Rechts vier Endtöpfe. 168 PS. Der Motor sagt nicht «Grüezi», er sagt: «Mach dich bereit, oder steig ab.» Ich steige nicht ab.

Einfahren. Urban-Modus. Der Töff rollt durch die Stadt wie ein Rennpferd im Schritt – konzentriert, unter Spannung, bereit. Die Fussrasten sind weit vorn, Cruiser-Style, trotzdem fühlt es sich überraschend sportlich an. Keine Ahnung wie Ducati das hinbekommt. Physik? Magie? Egal. Wer mittige Fussrasten bevorzugt, kann auch solche haben. Den tiefen Schwerpunkt bemerke ich sofort. Sie wirkt handlich, selbst im Stand. Fühlt sich sicher an. Auch meine Sozia ist mit der Fahrersitzprobe zufrieden. Keine Angst, dass sie ihr kippt. Damit ist klar: auch mit unter 1,70 Meter und weniger als 70 Kilo kein Problem.

Landstrasse. Ich wechsle auf Touring. Gas. Und da ist sie. Diese Beschleunigung erklärt man nicht. Man erlebt sie. Im Display blinkt mir ein G entgegen. G für G-Kraft. Wie im Düsenjäger. Braucht kein Mensch. Will trotzdem jeder sehen. Ich auch. Das hebt den Puls und die Laune.

Nach rund 50 Kilometern ist mir klar: Das ist kein Sportcruiser. Das ist ein Cruiser auf Steroiden mit ernsthaften Düsenjägerambitionen. Gerade richtig, um mich um den Verstand zu bringen.

Die ersten zwei Gänge würden schon reichen

Leute bleiben stehen, schauen. Wirklich. Auch solche, denen Motorräder wohl sonst egal sind. Die XDiavel hat diese Präsenz. Kantig, muskulös, gleichzeitig unglaublich elegant. Nicht Bodybuilder. Eher Balletttänzer mit Gewichthebervergangenheit.

Die Blinker sind in die Karosserie integriert, Windkanal- optimiert. Keine Ahnung, ob das was bringt, aber es sieht klasse aus. Fahren. Endlich fahren. Für die Schweiz würden schon die ersten zwei Gänge reichen. Locker, auch für die Autobahn. Aber wer will mit so einem Moped schon auf die Autobahn? Ich sicher nicht. Ich will Kurven.

Der Motor ist schizophren. Im besten Sinne. In niedrigen Drehzahlen geht es mit Gefühl, im höheren Gang kultiviert, leise, fast zahm. Doch drehst du im Sportmodus am Hahn, geht die Post ab. Topspeed? Laut Hersteller angeblich um die 250 Stundenkilometer. Glaube ich sofort. Interessiert mich jedoch nicht. Was mich interessiert: dass ich jederzeit an halten kann. Die Bremsen greifen, wenn es sein muss, zu wie ein Schraubstock. Und die Maschine behält die Spur. Beruhigend.

Die Sitzposition ist angenehm entspannt. Die kleine Lendenstütze am Fahrersitz sieht nach Deko aus, ist aber echt praktisch: Beim Beschleunigen bleibe ich im Sattel, und es zieht mir nicht die Arme lang. Und meine Sozia? Die klammert sich fest, sie hat keine Stütze und rutscht Richtung Heck, wenn ich Gas gebe.

Lange Stunden im Sattel sind kein Problem. Null Ermüdung, im Gegenteil: Mit der XDiavel V4 fahre ich gerne immer noch ein bisschen weiter. Das Fahrwerk ist eine Freude. Perfekt ausbalanciert. Lenkt sich leicht, präzise. Ich bin nach 200 Kilometern entspannter als nach 50 auf meiner alten Maschine.

Nichts für Anfänger

Das Display ist auch in der prallen Sonne gut ablesbar. Im Menü finden sich viel zu viele Einstellungen. Braucht kein Mensch. Touring, Sport, Urban und Rain reichen mir vollkommen. Trotzdem klicke ich mich mal durchs Menü, weil ich es kann.

Ich steige ab. Puls noch hoch. Meine Nachbarin fragt: «Für wen ist so ein Motorrad?» Nicht für Anfänger. Nicht für Tourenfahrer mit Gepäck und Sozia. Nicht für Sparfüchse. Sondern für Leute zwischen vierzig und fünfzig mit Geld. Mit Erfahrung. Mit Garage. Die XDiavel V4 ist selten das erste Motorrad. Und vermutlich nie das einzige.

Sie ist für diejenigen, die puren Fahrspass wollen. Charakter. Kraft. Stil. Keine Kompromisse. Kein Understatement. Und für mich? Gerade jetzt? Perfekt.

FAKTEN: Hubraum 1158 ccm
Leistung, 168 PS/124 kW
 bei 10.750 U/min, Drehmoment 126 Nm, Assistenzsysteme, Tempomat, Quick Shift, Wheelie- und Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Sitzhöhe 77 mm, Verbrauch 6.6 l (Werksangabe), 6,9 Zoll-TFT-Farbdisplay, Ducati Multimedia System, Edelstahl-Schalldämpfer mit 4 Auslässen
Aluminium-Gussrad 8” x 17 Reifen Pirelli Diablo Rosso III
Vorne 120/70 ZR17, hinten 240/45 ZR 17
. Das hintere Federbein ist voll verstellbar.

Preis ab 31'290 Fr.

(Text erschienen Handelszeitung 07 / 2026 (9. April 20269 und auf bilanz.ch)

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